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Aktualisiert am: 06.09.2010
St. Veit
Stadtansicht von 1649
Stadtplan

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Stadtgeschichte GB SLO I RUS


Hl. VitusDer heilige Vitus, der Stadt den Namen gebende Kirchenpatron, soll der Legende zufolge aus Sizilien stammend zusammen mit seinem Erzieher Modestus und seiner Amme Crescentia in Rom unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod erlitten haben Eines seiner Attribute, der Ölkessel, wird im St. Veiter Stadtwappen verwendet.
Für die Ursprünge der Stadt St. Veit können mangels verlässlicher Quellen nur Vermutungen angestellt werden. Zeuge einer Besiedelung des St. Veiter Raumes im frühen Mittelalter ist das Fragment eines karolingischen Flechtwerksteines in der Außenmauer des Karners, der ein Überrest eines frühmittelalterlichen Baues ist, dessen genaue Lag uns nicht bekannt ist. Den Mangel an Quellen soll eine Sage kompensieren, jene Ungarnschlacht im Jahre 901, die Veranlassung zur Gründung der Stadt bot.

St. Veit erfährt seine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1131, anlässlich der Festlegung des Sprengels der Diözese Gurk, deren Südgrenze entlang des Weges gezogen wird, der „per medium ville Sancti Viti“ verlief. Die Annahme, dass St. Veit zu den bambergischen Besitztümern in Kärnten gehörte, konnte widerlegt werden:
Wadl belegt, dass die Stadt ohne jede Unterbrechung in einer eindeutigen Beziehung zu den Spanheimern verblieb. Im Jahre 1149 empfängt Herzog Heinrich V. den vom Kreuzzug heimkehrenden König Konrad III. in St. Veit, 1174 hält derselbe Herzog einen Gerichtstag in St. Veit ab. Dieser wichtige Herrschaftsakt wäre mit Sicherheit nicht in St. Veit erfolgt, wenn die Stadt um diese Zeit nicht schon herzoglicher Besitz gewesen wäre.
Die enge Beziehung zu den Spanheimern war entscheidend für den raschen Aufstieg der Stadt. Unter Herzog Ulrich II. werden in einer Urkunde des Jahres 1199 die herzogliche Küche und ein herzoglicher Stadel in St. Veit erwähnt. Auch werden im späten 12. Jahrhundert erstmals eine ganze Reihe herzoglicher Bediensteter in Urkunden angeführt. Unter Herzog Bernhard werden jene Geschlechter, die in einer engen Beziehung zu den Spanheimer Herzögen stehen, nämlich die Osterwitzer, Kraiger und Karlsberger, erstmals als die Inhaber der Hofämter – Mundschenken, Truchsesse und Marschälle – genannt.
Die weitrechenden familiären Beziehungen der aus dem Rheinland stammende Spanheimer, die bis nach Böhmen und Ungarn reichten, sind Grund für die weitgespannten kulturellen Kontakte der Herzogsfamilie. Neben fahrenden Sängern wie Walther von der Vogelweide und Ulrich von Lichtenstein wurde die Literatur auch von einheimischen Dichtern gepflegt, wie etwa dem St. Veiter Heinrich von dem Türlin. Er gilt als der Verfasser des zwischen 1215 und 1230 erschienenen höfischen Romans „Der Aventiure Crone“. Der Roman schildert die Abenteuer des Ritter Gawan am Artushof und auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Heinrich war entweder Bürger von St. Veit oder vermutlich als Kanzleibeamter oder als Ministeriale am Hof Herzog Bernhards tätig.
1224 wird St. Veit erstmals als Stadt bezeichnet. Von einer ortsfesten landesfürstlichen St. Veiter Residenz kann aber nicht gesprochen werden, da Herzog Bernhard die meiste Zeit seiner Herrschaft im Gefolge der deutschen Kaiser und Könige verbrachte.
1252 werden landesfürstliche Burgen neben St. Veit auch in Völkermarkt, Klagenfurt genannt. Herzog Ulrich (1256 – 1269) verlagerte den Schwerpunkt seiner Aktivität nach Krain, St. Veit blieb aber sein bevorzugter Aufenthaltsort in Kärnten. Die Stadt war für die Herzöge neben strategischer auch von wirtschaftlicher Bedeutung. Zu nennen sind vor allen die herzogliche Maut und die Münzstätte, deren ältesten Prägungen schon aus den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts stammen. So ist die erste Münze mit deutscher Aufschrift ein am Hofe Herzog Bernhards geprägter St. Veiter Pfennig.

Landeshauptstadt

Mit dem Ende der Spanheimerzeit wurde Kärnten zu einem Nebenland von Herzogsgeschlechtern, die nicht im Land ansässig waren. Von den ab nun nach St. Veit gesandten Statthaltern wurde Ludwig, der Sohn Herzog Meinhards II. von Görz-Tirol, 1292 in einer Verschwörung des Grafen Ulrich von Heunburg in Verbindung mit dem Salzburger Erzbischof unter Mithilfe von St. Veiter Bürgern gefangen genommen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes in der Schlacht am Wallersberg (1293) wurde neben den adeligen Verschwörern auch der St. Veiter Bürger Konrad von dem Türlin auf dem Hauptplatz hingerichtet. Seit damals besteht wahrscheinlich auch die St. Veiter Trabantengarde, die vermutlich zum Schutz des Herzogs aufgestellt wurde, später die besondere Gunst der Habsburger erfuhr und heute als Aufputz für festliche Anlässe dient.
Meinhards Söhne, die Kärnten ab 1295 gemeinsam regierten, hielten 1299 einen großen Hoftag in St. Veit ab, dessen prunkvollen Ablauf der Abt Geschichtsschreiber Johann von Viktring ausführlich schildert. Die Verwaltung von Kärnten wurde 1294 dem aus Tirol zugewanderten Landeshauptmann Konrad von Auffenstein übertragen. Dieser erwarb weitläufigen Besitz in Kärnten und ist als Gründer des Klarissenklosters auch für die St. Veiter Stadtgeschichte von großer Bedeutung.
Nach dem Tod Herzog Heinrichs, der 1335 ohne männliche Erben verstorben war, konnten die Habsburger bei Kaiser Ludwig die Belehnung mit dem Herzogtum Kärnten erreichen. Die Habsburger haben in der Folge St. Veit große Bedeutung beigemessen, die Rechte der Stadt erweitert und sie durch die Verleihung neuer wirtschaftlicher Vorrechte entscheidend gefördert.
Da Kärnten nur ein relativ unbedeutendes Nebenland der Habsburger war, hielt sich der Landesfürst ab 1335 nur noch in Ausnahmefällen in St. Veit auf. Seine Abwesenheit förderte aber die vollständige Entwicklung der schon im 13. Jahrhundert entstandenen landesfürstlichen Behörden. Als deren Sitz wurde St. Veit zum Verwaltungsmittelpunkt, ab 1450 wird St. Veit auch in Urkunden als Hauptstadt bezeichnet.
Als wirtschaftlich florierender und aufstrebender Ort war die Stadt jahrhunderte lang für Zuwanderer attraktiv. Waren es zur Zeit der Tiroler Herzöge Oberitaliener und Tiroler, wanderten im 15. Jahrhundert finanzkräftige Bürger aus oberdeutschen Städten zu, wie die aus Nürnberg stammenden Gleismüllner und Kaltenhauser, die als Bergbauunternehmer und Großhändler in St. Veit großen Reichtum erwarben.

Konflikte mit dem Adel

Im Laufe des 15. Jahrhunderts kam es zwischen der selbstbewussten St. Veiter Bürgerschaft und dem Kärntner Adel immer wieder zu Konflikten, die im Jahre 1516 eine weitere Zuspitzung erfuhr, als die Bürger ständischen Söldnertruppen, die zur Niederschlagung eines Bauernaufstandes am Krappfeld aufgeboten worden waren, den Einlass in die Stadt verwehrten. Die darüber erbosten Landstände bemühten sich nun, in den Besitz einer eigenen Stadt zu gelangen, wozu sich das eben durch eine Feuersbrunst zerstörte Klagenfurt anbot, das von Kaiser Maximilian unter Aufhebung aller seiner bisherigen bürgerlichen Freiheiten am 24. April 1518 den Kärntner Landständen übergeben wurde. Diese Schenkung leitete einen Prozess ein, in dessen Verlauf Klagenfurt immer mehr Funktionen einer Hauptstadt erhielt. So wurde aber noch 1523 das landesfürstliche Zeughaus nicht in Klagenfurt, sondern noch in St. Veit erreichtet. 1599 berief Ferdinand II. den Landtag in die alte Herzogstadt St.Veit, obwohl in Klagenfurt dafür schon das eben neu errichtete Landhaus zur Verfügung stand. Bis 1529 und dann wieder zwischen 1622 und 1747 hatte St. Veit das Münzrecht inne. Erst 1754 ordnete Kaiserin Maria Theresia die Verlegung der noch in St. Veit befindlichen Hauptladen einiger Zünfte nach Klagenfurt an, weil die Hauptvertretung jedes Berufstandes ihren Sitz in Landeshauptstadt haben müsse.

Bau der Eisenbahn

Der allmähliche Verlust der Hauptstadtfunktion ab 1518 hatte für das Wirtschafsleben der Stadt keine gravierenden Auswirkungen, die Stadt konnte ihre wirtschaftlichen Privilegien bis ins letzte Viertel des 18. Jahrhunderts halten. Erst der Verlust der Eisenhandelsprivilegien 1781 führten zu einer raschen Verarmung der Stadt, in der im Jahre 1847 nur noch 1509 Menschen lebten. Die traditionellen Industrien im Süden der Stadt, die Papiermühle aus dem 16. Jahrhundert die 1801 gegründete Bleiweißfabrik, gingen im Verlauf des 19. Jahrhunderts zugrunde. Einen Aufschwung brachte die Erhebung der Stadt zur Bezirkshauptstadt und dem damit verbundenen Zuzug einer kaufkräftigen Beamtenschaft. Einen weiteren Impuls für die St. Veiter Wirtschaft setzte der Eisenbahnbau, der zu einem sprunghaften Bevölkerungsanstieg führte. Mit dem Ausbau von Eisenbahneinrichtungen mit Werkstätten, Verschubanlagen und Heizhäusern wurde St. Veit zur „Eisenbahnerstadt“. Entscheidend für die Stadt war die Verlegung der Bahnstrecke und die Errichtung des neuen Hauptbahnhofes 1912.
In den zwanziger Jahren kam es zur Errichtung von Sägewerken, die der Wirtschaft der Stadt eine neue Richtung wiesen.
Bei den Gemeinderatswahlen 1920 erreichten die Sozialdemokraten eine klare absolute Mehrheit und stellten fortan den Bürgermeister. Nach der Ermordung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß besetzten am 26. Juli 1934 nationalsozialistische Aufständische Teile der Stadt. Das ständestaatliche Regime hatte in St. Veit nur wenig Rückhalt in der Bevölkerung und war in seinen Funktionärsschichten von illegalen Nationalsozialisten durchsetzt.
Bald nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im März 1938 formierte sich unter St. Veiter Eisenbahnern eine antifaschistische Widerstandsgruppe, deren Angehörige in Schauprozessen zum Tode verurteilt wurden. Eine Gedenktafel am Hauptbahnhof erinnert an die hingerichteten Eisenbahner.
Als Eisenbahnknotenpunkten geriet St. Veit zwischen dem 16. Oktober 1944 und dem 12. April 1945 in das Visier alliierter Bomberverbände. Die Bahnanlagen wurden schwer beschädigt, das Faserplattenwerk Funder fast völlig zerstört. Das Funderwerk wurde in den frühen fünfziger Jahren neu errichtet und konnte seinen Betrieb 1953 wieder aufnehmen. In jüngster Zeit wurde es auf den letzten technischen Stand gebracht. Außerdem entstanden zwei weitere Werke, eines in St. Veit, gestaltet von der renommierten Wieder Architekturgruppe „Coop Himmelblau“. Es ist derzeit die mondernste Fabrikanlage in Kärnten.
Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft wollte man bewusst die politischen Strukturen vor dem Ende der Demokratie anknüpfen. Die von der Kärntner Landesregierung verordnete vorläufige Gemeindevertretung, die nach dem Ergebnis der letzten Wahl von 1932 zu bilden sei, bedeutete für St. Veit eine starke sozialdemokratische Mehrheit und einen sozialdemokratischen Bürgermeister.

Modernes Stadtwesen

In jüngster Zeit hat die Gemeinde versucht, Initiativen um Hinblick auf eine Verbesserung der kommunalen Infrastruktur und eine Belebung der Altstadt zu setzen.
Die Innenstadt mit ihren schönen Fassaden wurde zur Fußgängerzone mit reichem Blumenschmuck umgestaltet. 1999 wurde man in Augsburg als europaweit zweitschönste Blumenstadt mit der Silbermedaille der „Entente Florale“ ausgezeichnet.
Durch Erneuerung der Pflasterung einzelner Straßenzüge oder die Überdachung des Rathaushofes und des Herzog-Bernhard-Platzes (vormals Klagenfurter Straße) verspricht man sich eine weitere Attraktivitätssteigerung des von der Stadtmauer umgürteten Zentrums. Flankierend wurden in unmittelbarer Nähe Parkhäuser errichtet. Weitere Einrichtungen wie ein Therapiezentrum, zwei Tennishallen und ein Hallen-Freibad mit der attraktivsten Saunalandschaft Kärntens sollen gleichfalls zu einer verstärkten Imagesteigerung der Stadt führen.
Auf dem Umweltsektor hat man die Kanalisation vervollständigt – es wurden auch die ländlichen Gebiete an das Kanalnetz angeschlossen – und zur Verarbeitung des Bio-Mülls ein leistungsfähiges Kompostierwerk errichtet.
Durch den Bau des Seminarhotels „Ernst-Fuchs-Palast“ in der Friesacher Straße, in unmittelbarer Nähe zum Stadtkern, konnte eine weitere Imagesteigerung erreicht werden. Für die Gestaltung der Fassade und der Innenräume konnte der weltbekannte Künstler Ernst Fuchs, renommierter Vertreter der Wiener Schule des phantastischen Realismus, engagiert werden.
Weitere touristische Impulse setzen konnte man mit dem Bau einer 18-Loch-Golfanlage in St. Veit – Längsee, sowie mit der Errichtung eines „Blumenhotels“ mit 220 Betten neben der Klosterkirche.

INFOS

St. Veiter Fußgängerzone

 

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